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Berufswahlparcours 2027: Neues Konzept

Jugendliche erhalten Einblick in mehr Berufe

Bis sechs Berufe statt wie bisher zwei: Der Berufswahlparcours im Embrachertal wird vielfältiger. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet dies mehr Einblicke in die Berufswelt, für die Betriebe eine neue Herausforderung. Um sie zu entlasten, werden die Eltern stärker einbezogen.

Wie vermittelt man Jugendlichen in 50 Minuten ein realistisches Gefühl für einen Beruf? Die Frage kam an der GV des GVET, nachdem Daniel Müller das Luzerner Konzept des Berufswahlparcours vorgestellt hatte. Auf dieses war Sandra Stucki zufällig gestossen, als sie nach einem neuen Buchungs-Tool für den Berufswahlparcours Ausschau hielt. Müller ist Coach bei Erstdurchführungen mit dem Luzerner Konzept.

Stucki ist im GVET-Vorstand verantwortlich für die Jugendförderung und organisiert den Parcours nun zum zweiten Mal in enger Zusammenarbeit mit der Sekundarschule Embrach. «Bis jetzt mussten wir einen Teil der Koordination in Handarbeit erledigen. Der Aufwand war beträchtlich und das Buchungstool war in die Jahre gekommen. Damit sind auch Fehler passiert, die wir künftig ausschliessen möchten.» Das Luzerner Tool habe den GVET-Vorstand überzeugt. Nicht nur das – auch das Luzerner Konzept begeisterte. Dank kürzeren Aufenthaltszeiten pro Beruf, erlaubt es den Jugendlichen – je nach Anzahl teilnehmenden Betrieben – bis zu sechs Berufe kennenzulernen, anstatt nur zwei.

«Manche Jugendliche sind überzeugt, ihren Traumberuf zu kennen. Andere sind unsicher oder wissen noch gar nicht, in welche Richtung sie möchten. Das neue Konzept ist für alle ein Gewinn. Für die einen ist es eine Chance, den Horizont zu erweitern, weniger bekannte Berufsfelder zu sehen und über Alternativen nachzudenken. Die anderen erhalten ein besseres Gefühl für ihre Neigungen», erklärt Stucki. Die Jugendlichen erstellen eine Berufswahlliste aufgrund der von den Gewerbebetrieben angebotenen Berufe.  Sie sollen ausdrücklich nicht nur solche auflisten, die auf ihrer persönlichen Hitliste stehen, sondern auch solche, die sie noch nicht kennen.

Ein praktischer Einblick in den Berufsalltag

Für die Gewerbebetriebe bedeutet die Neuerung: Das Programm, das bis jetzt an zwei Morgen je eine Gruppe beschäftigt hatte, muss neu auf 50 Minuten reduziert und für mehrere Gruppen vorbereitet werden. Wie das aussehen könnte, erklärte Daniel Müller an der GV. Gefragt seien echte, ungeschönte Einblicke in den Arbeitsalltag. Kurz, die Jugendlichen sollen etwas «machen» können: ein Werkzeug benutzen, ein Problem lösen, eine Aufgabe ausführen. Verzichten könne man auf Vorträge, wie etwa über die Gründungsgeschichte des Unternehmens oder die internationale Bekanntheit eines Produktes.

Die Begeisterung für einen Beruf komme mit den Erfolgserlebnissen und nicht mit der PowerPoint-Präsentation, ist auch Stucki überzeugt. «Die Zeit, um sich für die eine oder andere Lehre zu entscheiden, ist knapp. Die Jugendlichen haben kaum mehr als einen ersten Eindruck, wenn sie sich bewerben. Wecken wir falsche Erwartungen, steigt das Risiko für einen Lehrabbruch.» Dem gelte es entgegenzuwirken.

Dem GVET-Vorstand sei bewusst, dass die Veränderung des Berufswahlparcours für die teilnehmenden Gewerbebetriebe im ersten Jahr ein Umdenken bedeutet. «Doch wir sind überzeugt, dass 50 Minuten aktive Betätigung für mehrere, kleine Gruppen vorzubereiten, weniger interne Ressourcen bindet, als eine grosse Gruppe einen ganzen Morgen lang zu betreuen», sagt Stucki.  Wie viele Schülerinnen und Schüler in einer Gruppen sein dürfen, bestimmen die Betriebe. Die maximale Anzahl ist 10 pro Gruppe.

Entlastung durch aktive Mitarbeit der Eltern

Die Jugendlichen besuchen 50-minütige «Ateliers» in verschiedenen Betrieben. Ergänzt werden diese durch «Pool-Ateliers» in der Schule, die allgemeine Themen rund um die Berufswahl aufgreifen. Zwischen den Ateliers sind 45 Minuten Pause, um zum nächsten Betrieb zu gelangen. Damit alles klappt, werden Lehrpersonen und Eltern die Gruppen begleiten. Sie empfangen die Jugendlichen in den Betrieben, begleiten sie ins Atelier, melden Absenzen in der Einsatzzentrale, stellen sicher, dass der Zeitplan eingehalten wird und die Wechsel zügig vonstattengehen. Für grössere Strecken zwischen den Ateliers werden Fahrdienste organisiert.

Dieses Miteinander entlastet das Personal in den Unternehmen und verschafft Eltern und Lehrpersonen einen Einblick in die Lehrbetriebe. Eltern werden auf eine neue Art aktiv in den Berufswahlprozess einbezogen. Insgesamt stärkt der neue Berufswahlparcours die Beziehungen zwischen Gewerbe, Schule und Eltern, was letztlich den Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtert.

Der Berufswahlparcours findet am 19. und 20. Januar 2027 statt. Betreibe, die im 2026  teilgenommen haben, wurden bereits per E-Mail kontaktiert. Auch neue Teilnehmende sind herzlich willkommen, um eine möglichst breite Vielfalt an Berufen anzubieten.

Dieser Artikel ist auf Seite 6 der Gewerbezeitung vom 11. September 2026 erschienen.

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